„Wer nur in zwei Richtungen denkt, wird die Wahrheit nie vollständig erkennen.“
Anlässlich der Debatte über den Abschlussbericht des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses erklärt Prof. Dr. Jakob Schirmer, Spitzenkandidat der FDP Mecklenburg-Vorpommern zur Landtagswahl:
„Der NSU-Komplex zeigt in bedrückender Deutlichkeit: Ermittlungen und staatliches Handeln müssen strikt ergebnisoffen sein. Wer sich früh auf ein Erklärungsmuster festlegt oder bestimmte Möglichkeiten systematisch ausblendet, läuft Gefahr, zentrale Zusammenhänge zu übersehen.“
Diese Erfahrung geht über den konkreten Fall hinaus. Sie verweist auf ein grundsätzliches Problem staatlichen und politischen Handelns: die Gefahr schematischen Denkens. Wo komplexe Wirklichkeit auf einfache Muster reduziert wird, entstehen blinde Flecken. Besonders gefährlich wird es dort, wo diese Muster nicht mehr hinterfragt werden und sich zu politischen Gewissheiten verfestigen.
Ein solcher Verlust an Selbstkritikfähigkeit schwächt nicht nur Ermittlungsarbeit, sondern auch den demokratischen Diskurs insgesamt. Demokratie lebt davon, dass Annahmen überprüft, Perspektiven erweitert und auch unbequeme Erkenntnisse zugelassen werden.
Die FDP Mecklenburg-Vorpommern warnt deshalb vor einer politischen Kultur, die sich in feststehenden Denkschemata einrichtet. Ein starker Rechtsstaat und eine lebendige Demokratie brauchen Offenheit im Denken – und die Bereitschaft, eigene Bewertungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.