Wenn die Bäckerei schließt, stirbt ein Stück Dorf
Zur Pleitewelle bei Bäckereien in Mecklenburg-Vorpommern erklärt René Domke, Sprecher der Gruppe der FDP im Landtag Mecklenburg-Vorpommern:
„Es gibt Dinge, die man nicht digitalisieren kann. Der Geruch frischer Brötchen am Samstagmorgen gehört dazu. Die Bäckerei, in der man seit Jahrzehnten weiß, was man bestellt, bevor man den Mund aufmacht. Der Bäcker, der um vier Uhr morgens anfängt, damit um sieben der Korb voll ist. Das ist kein Nostalgiebild - das ist in vielen Dörfern und Kleinstädten in Mecklenburg-Vorpommern die letzte verbliebene Infrastruktur des täglichen Lebens. Die Schlachter sind weg. Die Schlosser sind weg. Die Buchhandlungen sind weg. Wenn jetzt auch noch die Bäckerei schließt, ist der Ort kein Ort mehr - er ist eine Schlafstätte.“
„Von 311 handwerklichen Bäckereien im Jahr 2000 sind heute noch 132 übrig. Das ist kein Marktversagen. Das ist politisches Versagen. Hohe Energiekosten, ausufernde Bürokratie, erdrückende Lohnzusatzkosten - und ein Wettbewerb mit Discountern, die das Brötchen für 19 Cent anbieten können, weil sie industriell produzieren, was der Handwerksbetrieb vor Ort mit eigenem Personal und eigenem Können herstellt. Das ist kein fairer Wettbewerb. Das ist ein strukturelles Problem, das politische Antworten braucht.“
„Die FDP fordert: Bürokratiemoratorium für Handwerksbetriebe jetzt, spürbare Senkung der Energiekosten durch Abbau staatlicher Abgaben und Abgaben, steuerliche Erleichterungen für Betriebsübergaben und Neugründungen im ländlichen Raum. Wer das Handwerk retten will, muss es endlich von den Fesseln befreien, die ihm die Politik selbst angelegt hat.“
„Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land, das weiß, was es bedeutet, wenn Strukturen wegbrechen. Wir sollten es besser wissen, als tatenlos zuzusehen, wie das nächste Stück Alltagskultur still verschwindet - Ofen für Ofen, Dorf für Dorf.“