"Musterschüler Deutschland" schaufelt sich sein eigenes Grab

Hagen Reinhold, Beauftragter für die maritime Wirtschaft, zur Vergabe des MKS 180 an niederländische Federführung:


Schon wieder ein Ärgernis: die Bundesregierung hat wenig von der Wichtigkeit der maritimen Wirtschaft verstanden. Das führt jetzt dazu, dass das Projekt "MKS 180" mit einem Auftragsvolumen von 5,27 Milliarden Euro in die Niederlande vergeben wurde. Selbst wenn Blohm und Voss in Hamburg oder Wolgast beteiligt werden, ist das nur ein kleiner Trost, denn das macht uns zur Werkbank der Niederländer. Wichtige Fähigkeiten und Know-how für den Marineschiffbau gehen uns in Deutschland verloren.

Deutschland hat dieses militärische Großprojekt EU-weit ausgeschrieben. Das ist zwar langfristig wünschenswert, wenn unsere EU-Nachbarn auch tun würden. Es verkennt aber die Realität: unsere Nachbarn, vor allem im südlichen Europa vergeben Staatsaufträge an Staatsunternehmen. Das verzerrt den Wettbewerb. Deutsche Firmen werden zukünftig gar keine Angebote mehr abgeben, weil sie keine Fähigkeiten mehr besitzen werden, solche Aufträge umzusetzen", sagt Hagen Reinhold, maritimer Experte der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.


Eine EU-weite Ausschreibung funktioniert nur, wenn gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen. Solange das nicht der Fall ist, sollte auch Deutschland handeln, wie es unsere EU-Nachbarn tun: Schlüsseltechnologien werden vor Ort produziert, damit das Know-how im Land bleibt. "Ich fordere die Regierung auf, sich dafür einzusetzen, dass deutsche Firmen durch ein Level-playing-field in Europa bei militärischen Aufträgen überhaupt eine Chance haben und solange das nicht der Fall ist, dafür zu sorgen, dass die Aufträge im Land bleiben", so Reinhold, "immerhin geht es hier um Milliarden Steuergelder und deutsche Arbeitsplätze!"


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