Das Arno-Esch-Symposium fordert „Die Wahrheit muss ans Licht“

Barth/Rostock. Am 23. Februar fand in Barth ein Arno-Esch-Symposium statt. Hierzu hatten die Arno-Esch-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung geladen.
Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe vom jüngsten Redner des Symposiums, dem 18jährigen Brian Kipke aus Zingst. Der Abiturient aus dem Barther Gymnasium zeichnete die Idee eines liberalen Schulsystems, das stärker auf die Bedürfnisse der Schüler eingehe. Brian Kipke forderte wörtlich „Ein Schulsystem, in dem die Fragen von heute und morgen nicht mit Antworten von gestern abgetan werden, politische Partizipation, das Ehrenamt per se gefördert wird und in dem ich nicht nur lerne, Goethe und Heine zu zitieren, sondern auch eine Steuererklärung zu verfassen – was ich offenkundig nicht beherrsche.“

Arno Esch war ein Rostocker Jurastudent, der wegen seines politischen Engagements in Ostdeutschland im Juli 1951 ermordet wurde. Die Arno-Esch-Stiftung widmet sich daher der Erforschung von DDR-Unrecht und der Veröffentlichung dieser Erkenntnisse. Vorstandsvorsitzende ist seit 2018 die Juristin Karoline Preisler aus Mecklenburg-Vorpommern.
In der Veranstaltung erfuhren die zahlreichen Gäste zunächst Neues aus der Forschung zu Arno Esch. Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es um Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR.
Im Symposium gelang es, Wissenschaftlern, Juristen und Betroffenen von DDR-Unrecht zuzuhören sowie Gäste, Politiker, Schüler und interessierte Menschen aus Ost und West in den Dialog mit einzubeziehen.
In ihrem Grußwort mahnte die Vorstandsvorsitzende der Arno-Esch-Stiftung u.a. „Das ständige Ringen um den Rechtsstaat ist ein niemals endender Auftrag.“
Als dann Herr Dr. Fred Mrotzek von der Forschungs- und Dokumentationsstelle des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Geschichte der Diktaturen in Deutschland neue Forschungsergebnisse zu Arno Esch vorstellte, endete sein Vortrag mit einer Antwort auf die von Frau Preisler ausgesprochene Mahnung zum ständigen Ringen um den Rechtsstatt. Fred Mrotzek hierzu: Wir müssen uns fragen, ob der „Kampf gegen rechts“ nicht eine Fehlgeburt darstellt, wenn sogenannte Antifaschisten unter diesem Deckmantel die Demokratie bekämpfen können.
Hierfür brachte der Historiker Belege bei, die ihm aus Archiven in Moskau und Stasiunterlagen vorlagen und für seine Arbeit ausgewertet wurden.


Zur historischen Aufarbeiten kam dann ein neues, hochemotionales Thema.
Heute wissen wir, dass übergriffiges Verhalten gegenüber Kindern zur gängigen Praxis in vielen Staaten gehörte. Doch waren die Zuhörer beim Arno-Esch-Symposium sichtlich ergriffen, als Zeitzeugen und Opfer über Zwangsadoptionen und vorgetäuschten Säuglingstod in der DDR berichteten. Dieser Beitrag berührte die Menschen im Saal sehr.
Nach einem in Graal-Müritz gescheiterten Fluchtversuch, war Andreas Laake in der DDR inhaftiert worden. Seinen ungeborenen Sohn sah er nie. Zwangsadoption wurde hier als Sanktion gegen den politischen Häftling eingesetzt. Andreas Laake von der Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR hierzu „Man hat uns das Wichtigste genommen. Man hat uns das Leben genommen.“ Andreas Laake berichtete aber nicht nur von vielen Betroffenen von Zwangsadoptionen. Einige Eltern schildern auch, wie sie bis heute mit angeblichem Säuglingstod, offenen Fragen hierzu und einer Verweigerungshaltung der Behörden kämpfen müssen. Der Redner plädierte leidenschaftlich „Wir behaupten nicht, Tausende Babys wären am Leben. Aber wir behaupten: Tausende Eltern, betroffen vom Säuglingstod, haben offene Fragen.“ Er unterfütterte seine Worte mit Zahlen. Demnach gab es in der DDR 72.000 bis 75.000 Inkognito-Adoptionen. Man gehe bei dieser Zahl von rund 7.000 Zwangsadoptionen aus. Inzwischen hätten sich entsprechend viele Eltern oder Angehörige von Zwangsadoptionen bei der Interessengemeinschaft gemeldet.

Einig waren sich bei dem Treffen in Barth alle darüber, dass  Geschichtsaufarbeitung ohne Zeitzeugen nicht gelingen könne. Und die Zeit für die Betroffenen läuft ab! Die Interessengemeinschaft bat um Unterstützung, denn Akten würden vernichtet, Zeugen würden alt und könnten sterben, Ämter blockten ab. Hier sei die Politik gefordert.

Am Ende des Symposiums gingen die Gäste auseinander, mit dem Versprechen, die Forderung nach Aufklärung in die Parlamente zu tragen.


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