Kreuzfahrtschiffe sind keine „Dreckschleudern“.

Zum vorgestellten NABU-Kreuzfahrtranking 2018 vom 21. August 2018 erklärt der fachpolitische Sprecher der FDP Bundestagsfraktion für die maritime Wirtschaft, Hagen Reinhold:

 

Schiffe sind, bezogen auf das Ladungsgewicht und die Entfernung, immer noch ein effizientes Verkehrsmittel. Der aktuelle Anteil aller Kreuzfahrtschiffe am weltweiten
CO2-Ausstoß beträgt nur etwa ein halbes Promille. Die großen Kreuzfahrtveranstalter reduzieren ihre CO2-Intensität ständig und haben sich Einsparziele bis 2020 im Bereich von 25-35% gesetzt. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe mit alternativen Kraftstoffen wie LNG werden gebaut.

Eine kontinuierliche schiffs- und energietechnische Weiterentwicklung (Energieeffizienz, alternative Kraftstoffe, etc.) ist notwendig, um immer mehr Kreuzfahrttouristen sauber in unseren Häfen willkommen heißen zu können. Letztendlich bestimmt jedoch schon jetzt der Verbraucher mit, wie umweltfreundlich er reisen möchte und das ist gut so.

 

Hintergrund:


Ein großes Kreuzfahrtschiff beherbergt einschließlich der Besatzung bis zu 10.000 Personen, also die Einwohnerzahl einer mittleren Kleinstadt. Der Strombedarf erreicht im „Hotelbetrieb“ leicht 5-8 MW. Infolge des stetig steigenden Kreuzfahrtmarktes liegen immer häufiger 2-4 Schiffe
gleichzeitig in deutschen Hafenstädten an Nord- und Ostsee, eine Situation, die man früher nur aus der Karibik kannte. Es liegt auf der Hand, dass eine solche „tageweise Zuwanderung“ ihre Spuren hinterlässt, sei es beim Abfall, in der Luft oder beim Zubringerverkehr. Daher steht außer Frage, dass die Kreuzfahrtschiffe daher so sauber und energieeffizient wie möglich
sein müssen. Die deutschen Veranstalter und Werften stehen dabei an der Spitze der Entwicklung, sie setzen die künftigen Standards. In Europa schränken schon heute die Emissionskontroll- (SECA-) Gebiete den Ausstoß von Schwefel wirkungsvoll ein.


Forderungen wie eine Schließung von Häfen für Schiffe mit Schwerölbetrieb sind angesichts deren tatsächlichen Anteils an z.B. der NOx oder Feinstaubbelastung (in Norddeutschland ohnehin kein großes Notstandsthema) völlig überzogen. Auch die ausschließliche Versorgung mit Landstrom lässt sich leicht fordern, wenn man die notwendigen technischen Gegebenheiten ignoriert: 2-4 „zusätzliche Kleinstädte“ passen nicht so einfach in vorhandene Stromverteilnetze und der Landstrom ist auch nur so sauber, wie seine Erzeugung. In diesem Sommer mit hohem
Kühlleistungsbedarf stand besonders wenig Windstrom zur Verfügung, während Solaranlagen wegen der Hitze Wirkungsgradeinbußen von bis zu 30% aufwiesen.