Schifffahrtsindustrie und Tourismuswirtschaft stärken - HanseSail bietet Möglichkeit zum Austausch und zur Kritik

Trotz steigender Übernachtungszahlen hat Mecklenburg-Vorpommern beim Tourismus auf internationalem Parkett noch deutlich Luft nach oben. Aber auch im maritimen Tourismus fehlen der Landesregierung schlüssige und nachhaltige Konzepte zum richtigen Umgang mit den überproportional steigenden Kreuzfahrten und den Gästen, die Städte und Gemeinden in großer Zahl besuchen. Wir brauchen – nicht nur hier – endlich Nutzungs- und Lenkungskonzepte, die Umweltschutz und die berechtigten Wünsche der Anwohner nach klaren Strukturen im Umgang mit den Touristen mit den Bedürfnissen der Wirtschaft in Einklang bringen. Hierzu gehören Maßnahmen gegen Abgas- und Müllbelastung genauso wie der Ausbau der Hafeninfrastrukturen und der Hinterlandanbindung.

Wir können nicht zulassen, dass Hafeninfrastruktur und Wirtschaftsan-siedlungen in Konkurrenz zur Wohnbebauung kommen, nur weil sich Verwaltungen von kurzfristigem Druck leiten lassen und manchem das Rückgrat fehlt, auch langfristig Entwicklung umzusetzen. Weder können wir warten, bis wir venezianische oder mallorquinische Verhältnisse bekommen und die Touristen als Eindringlinge und Zerstörer gebrand-markt werden, deren Besucherzahlen es durch Quoten zu verringern gilt. Noch wollen wir den Verlust von Arbeitsplätzen, weil der Wirtschafts-standort Hafenkante fehlt.


Die zu treffenden Maßnahmen dürfen auch nicht allein auf Hafenbetreiber, Werften und Kreuzfahrtanbieter abgewälzt werden. Gerade die deutschen Werft- und Hafenstandorte stehen in direkter Konkurrenz mit zahlreichen internationalen günstigeren Anbietern und Standorten. Werften, Reedereien und Häfen stehen bereits heute unter großem Druck, um ihre Flotten zukunftsfit zu machen und um die Attraktivität der jeweiligen Standorte bzw. Anliegerstellen für Kreuzfahrt- und Güterverkehr zu erhalten. Bei der Erarbeitung eines gemeinsamen Konzeptes für die maritime Wirtschaft der Zukunft und ihrer Rolle im Tourismus müssen Strukturwandel und Wetterrisiken daher ebenso beachtet werden, wie die Einhaltung neuer Umweltstandards. Umwelt- und Wirtschaftsinteressen dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt, sondern müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Die geringen finanziellen Puffer, internationale Handelshemmnisse und eine aktuell veröffentlichte Verschuldungsquote von 144 Prozent lassen bereits zukünftige Schwierigkeiten der Branche erahnen.


Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine Situation wie 2008, als der deutsche Markt der Reeder zusammenbrach, wiederholt. Augenmaß und Praxistauglichkeit sind an dieser Stelle wichtiger denn je und dürfen nicht für Verbotskulturen oder einseitige Schuldzuweisungen geopfert werden. Tourismus, Umweltschutz und maritime Wirtschaftsinteressen sitzen am Ende alle in einem Boot – wir müssen daran arbeiten, dieses Schiff seefest für die Herausforderungen der Zukunft zu machen.


Hintergrund:
Die HanseSail in Rostock ist als internationaler maritimer Event mit lebendigem Markttreiben bekannt. In diesem Jahr werden 165 Schiffe aus zehn Nationen erwartet. Dazu kommen rund eine Million Zuschauer und interessierte Besucherinnen und Besucher. Unser europäischer Nachbar Schweden wird sich als internationales Partnerland vorstellen und Museumsschiffe und Traditionssegler laden die Gäste ein, selbst einmal an Bord zu kommen und die Stadt vom Wasser aus zu erleben. Das ist jedes Jahr ein Highlight in unserem Wahlkreis. Eine bessere Plattform für den Austausch gibt es nicht. Sei es bei der Konferenz der Bürgermeister/innen und Marinevertreter der Marinehauptstädte der Welt oder bei diversen Törns und Businessveranstaltungen: Netzwerke, lokale Wirtschafts-förderungen und Trendforschungsinstitute werden über die Lage, die Chancen und die Herausforderungen der maritimen Wirtschaft im Ostsee-raum diskutieren. Dabei kommen Umwelt- und Tourismusbelange ebenso auf den Tisch wie die Digitalisierung. Nachdem sich im vergangenen Jahr die Traditionsschiffer mit Sorgen und Nöten an die Politik gewandt haben, sind es nun die Werften und Reedereien, die von der Politik nachhaltige Konzepte für die Zukunft erwarten.