Arno-Esch-Stiftung fordert Aufklärung für gestohlene Kinder und vorgetäuschten Säuglingstod in der DDR

Rostock. Der Petitionsausschuss des Bundestages in Berlin führte zu einer von der "Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR" Anfang April eingereichten Petition am 25. Juni 2018 eine öffentliche Sachverständigenanhörung durch. Die Petition fordert eine Aufarbeitung des Themas Zwangsadoptionen in der DDR. Hintergrund ist, dass seinerzeit Kinder von staatlichen Stellen für tot erklärt wurden, tatsächlich aber zur Adoption freigegeben wurden. In anderen Fällen wurden die Eltern durch den Druck staatlicher Stellen der DDR zur Zustimmung zur Adoption gezwungen oder Unterlagen manipuliert.

Die Arno-Esch-Stiftung setzt sich seit einiger Zeit für die Aufklärung solcher Fälle erzwungener Adoptionen ein. Gerade mit Blick auf die von der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Anne Drescher, geforderte Sachlichkeit (OZ vom 30.05.2018) und das Vorhandensein nur einer Studie zu Zwangsadoptionen mit einer verschwindend geringen Fallzahl äußert sich die Vorsitzende des Vorstandes der Arno-Esch-Stiftung, Karoline Preisler „Unsere Demokratie ist nur dann nachhaltig, lokal und global wirksam, wenn wir zuverlässig den Opfern der DDR-Diktatur zur Seite stehen. Aufklärung führt zu Geschichtsverständnis und einer klugen Gegenwartspolitik. Wir fordern daher eine Kontaktaufnahme der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern mit Betroffenen, die Untersuchung und Auswertung aller Informationen. Der Hinweis auf ausstehende Trauerarbeit durch Frau Drescher ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer der DDR-Diktatur.“

Zustimmung erfährt die Arno-Esch-Stiftung mit diesem Anliegen von dem Sprecher der Landesgruppe Ost der FDP im Bundestag, dem MdB Hagen Reinhold aus  Mecklenburg-Vorpommern „Die Landesgruppe Ost der FDP-Fraktion im Bundestag wirbt täglich in Berlin für mehr Verständnis für ostdeutsche Biographien. Wer Opfer von Familientrennung, Zwangsadoption und Repressalien wurde, hängt biographisch oft in der Vergangenheit fest und erfährt dafür leider wenig Verständnis. Wir müssen für die Zukunft die Vergangenheit aufarbeiten und Antworten auf die drängendsten Fragen der Betroffenen finden.“

Die Aufklärungsarbeit zu gestohlenen Kindern bleibt fortlaufend ein Thema bei Opferverbänden kommunistischer Gewaltherrschaft und der Arno-Esch-Stiftung in Rostock. Eine Zäsur wird hierbei der 9. Februar 2019 sein. An diesem Tag führt die Arno-Esch-Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern mit Historikerinnen, Juristen und Zeitzeuginnen sowie Politikern ein Symposium durch, das sich u.a. dieser Arbeit zuwenden wird.

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