Visionen für 2050 entwickeln

Die Digitalisierung wird die Welt, wird Deutschland, wird Mecklenburg-Vorpommern umfassender verändern als alle bisherigen Versprechen erahnen lassen. Um wirklich verstehen und ermessen zu können, wohin uns die Digitalisierung treibt, müssen wir den Mut und die Phantasie aufbringen, uns unser Leben im Jahr 2050 und jenseits dessen auszumalen.

 

Wir müssen uns vorstellen wie eine Welt aussehen wird, in der es kaum noch manuelle Arbeit geben wird. In deutschen Fabriken werden keine oder nahezu keine Menschen mehr arbeiten. Häuser werden nicht länger gebaut, sondern gedruckt werden. Die Berufsbilder - egal ob in Industrie oder Handwerker - werden sich so umfassend verändern wie seit der Erfindung der Dampfmaschine nicht. 

Auch die bisherigen Konzepte der Finanzwirtschaft stehen, konfrontiert mit der erfolgreichen Existenz von Kryptowährungen und neuen Bezahl- und Kreditsystemen, vor umfassenden Umwälzungen. Niemand vermag heute mit Sicherheit zu sagen, wie wir im Jahr 2050 unsere Einkäufe bezahlen werden, wenn Banken keine Servicehäuser, sondern Rechenzentren sind.

 

Niemand vermag zu sagen, wie wir in der nahen Zukunft unsere Steuern abführen werden, wenn die Grenzen zwischen Konsumenten und Produzenten verwischen und der Austausch zwischen beiden unmittelbar von statten geht. All diese vertrauten Konzepte werden neu gedacht. Es ist daher höchste Zeit auch in der Politik neu zu denken!

 

Wir müssen uns vorstellen, wie eine Welt aussehen wird, in der auch kognitiv und kreativ anspruchsvolle Aufgaben zunehmend von Maschinen erledigt werden. Das Produktdesign der Zukunft hat mit dem heutigen computer-aided Design (CAD) so viel gemein wie die heutigen Methoden mit einem Zeichenbrett. Die ersten vollständig durch Künstliche Intelligenz errechneten Leichtbauteile für Flugzeuge werden schon in wenigen Jahren in unseren Flugzeugen verbaut sein. Auch die Berufsbilder von heute als krisensicher eingestuften Berufszweigen, wie z.B. Ingenieuren, werden sich tiefgreifend verändern. Wenn wir auf der Welle der Digitalisierung reiten möchten, dürfen wir nicht warten bis sie über uns zusammenschlägt, sondern müssen lernen auf ihr zu surfen.

 

Wir müssen uns vorstellen wie eine Welt aussehen wird, in der Maschinen vielleicht sogar einfühlsam genug sein können, um kranke und pflegebedürftige Menschen zu umsorgen und unsere Kinder zu erziehen. Was macht das aus uns als Gesellschaft, wenn wir unsere Schwächsten Maschinen anvertrauen? Welche Leitplanken müssen wir einziehen, um sicherzustellen, dass Deutschland im Jahr 2050 eine ethische Gesellschaft bleibt?

 

Wir müssen uns vorstellen wie eine Welt aussehen wird, in der nicht mehr menschliche Programmierer an Computern die Programme schreiben, die wir alltäglich benutzen, sondern andere Computer. Keiner versteht heute richtig wie ein selbstlernendes neuronales Netzwerk eigentlich durch „Machinelearning“ lernt. Wir wissen nur: es funktioniert und vereinfacht unser Leben, erhöht unsere Produktivität und vermehrt unseren Wohlstand.

 

Doch was bleibt für uns Menschen dann noch zu tun? Soll der Mensch ein Opfer seines eigenen Erfolges werden, Wohlstand ohne Arbeit zu schaffen, weil er sich als unfähig erweist, eine Alternative zur Lohnarbeit zu erdenken? Scheitern wir vor dem Tor zum Schlaraffenland an der Türklinke? Die würdevolle Zukunft des Freien Menschen darf nicht am Unwillen scheitern, dass aktuelle System der Lohnarbeit gegen jeden Widerstand und unter massiver Umverteilung aufrecht zu erhalten. Wir Freie Demokraten müssen den Anspruch haben DIE progressive Kraft in Deutschland zu sein. Wenn es eine politische Kraft in Deutschland gibt, die ein Verständnis dafür hat, dass die Digitalisierung nicht mit Glasfaserkabeln, Bildungsinvestitionen, Medienkompetenz und Automation getan ist, dann sind es die Freien Demokraten.

Jenseits der vielen einzelnen kleinen und großen Hürden auf dem Weg in eine digitalisierte Zukunft müssen wir Freie Demokraten eine Vision für Deutschland und die Welt im Jahr 2050 und jenseits entwickeln. Wir müssen zeitig Antworten für die gewichtigen Fragen vorlegen, mit denen uns die Digitalisierung konfrontieren wird, damit wir keine Opfer dieser Revolution 4.0 werden, sondern Handelnde.

 

Wir Freie Demokraten fordern daher von der Bundesregierung die Einrichtung einer Ethikkommission, welche die aus den Herausforderungen der verschwindenden Lohnarbeit folgenden gesellschaftlichen Konsequenzen untersucht und bestehenden politischen Handlungsbedarf offenlegt.

 

Eine solche Kommission kann rechtliche Hürden und Wege aufzeigen, wie ein neues System aussehen könnte, das die Bürger auf eine gerechte Weise am gesellschaftlichen Wohlstand beteiligt, ohne dadurch die Freiheit unserer Gesellschaft zu opfern. Mit der Beantwortung dieser Fragen muss unverzüglich begonnen werden, denn ihre offensichtliche Komplexität lässt keine Hoffnung für eine schnelle Lösungsfindung.

 

Die tiefgreifenden ethischen Fragen die mit der Digitalisierung einhergehen, können unmöglich in nationalen Alleingängen geklärt werden, denn auch die damit einhergehenden Probleme machen nicht an den Grenzen halt.

 

Wir Freie Demokraten fordern daher von der Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für die Schaffung eines unionseinheitlichen Regelwerkes im Bereich der Autonomen Mobilität einzusetzen.

 

Ein autonom fahrendes Fahrzeug darf auf der anderen Seite der Grenze keine anderen ethischen Entscheidungen treffen als auf dieser Seite. Die bestehenden europäischen Institutionen bieten die einmalige Voraussetzung heraufziehende politische Fragestellung der Digitalisierung im größeren Supranationalen Rahmen zu diskutieren noch bevor ihre Beantwortung drängt.

 

Es gibt keinen Grund den Blick unnötig auf den Straßenverkehr zu verengen: autonome Mobilität wird zukünftig auch im See- und Luftverkehr zuhause sein und auch hier müssen Regelungen geschaffen werden, die einen reibungslosen Ablauf ermöglichen. Natürlich bietet sich auch hier als erster Schritt der Rückgriff auf die etablierten und erfolgreich erprobten Strukturen der Europäischen Union an. Aber jenseits der 20-Meilenzone endet bereits die Jurisdiktion der Union über See- und Luftraum. Deswegen fordern die Freien Demokraten die Bundesregierung auf auch auf internationaler Ebene auf die zeitnahe Schaffung eines Regelwerkes für autonome Mobilität zu drängen. Die Groko-geführte Bundesregierung muss aufhören, drängende Fragen der Digitalisierung so lange auszusitzen bis sie unausweichlich werden und stattdessen jetzt handeln!

 

Gleichzeitig müssen wir uns der Gefahren gänzlich unkontrollierter KI-Forschung bewusst sein. Wenn Künstliche Intelligenzen erst einmal weit genug sind, ihre eigenen Nachfolger zu kreieren, ist eine digitale Superintelligenz womöglich nur noch eine Kaffeepause entfernt. Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, ob uns eine solche Superintelligenz freundlich oder feindlich gesinnt sein wird.

 

Wir Freie Demokraten fordern daher unsere Bundestagsfraktion auf, sich unserer Initiative anzuschließen und fordern das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf, dem Bundestag ein Gesetz vorzulegen, dass die Forschung an starken Künstlichen Intelligenzen als hochsensibles Forschungsgebiet angemessenen Sicherheitsvorkehrungen unterwirft.

 

Eine starke Künstliche Intelligenz kann wie die Gentechnik von großem Nutzen oder zerstörerischer Verderbnis sein. Umso wichtiger ist es, wie im Umgang mit der Gentechnik, zeitig einen möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens zu ethischen Streitfragen zu erarbeiten. Damit die KI-Forschung zu unser aller Vorteil geschieht, darf sie kein unkontrollierter Selbstläufer bleiben, sondern muss unter staatlicher Aufsicht stattfinden. Wie tief die kontrollierenden Einschnitte eines solchen KI-Forschungsgesetzes (KIFG) gehen sollen und an welchen Schranken dieses Gesetz Halt machen muss, muss vorher geklärt werden.

 

Wir Freie Demokraten fordern daher die Bundesregierung zur Einrichtung einer aus Politik, Kirchen, Wissenschaft und Wirtschaft besetzten Kommission auf, welche die kontroversen ethischen Fragen auf dem Gebiet der KI-Forschung im Voraus erörtern und klären kann.

 

Wie stark muss eine künstliche Intelligenz sein, um unter die besonderen Sicherheitsauflagen eines KI-Forschungsgesetzes zu fallen? Welche Maßnahmen müssen aus einer Einstufung als starke KI folgen? Wie kann gleichzeitig die Freiheit von Forschung und Lehre weiterhin garantiert werden? Diese Fragen können so nicht länger unbeantwortet im Raum stehen bleiben, bis uns die rasend schnellen Entwicklungen auf diesem Gebiet einholen und unvorbereitet treffen!

 

Die Digitalisierung ist für das rohstoffarme Deutschland eine Möglichkeit, seine größte Stärke, den Erfindungsreichtum, seiner Bevölkerung, auszuspielen. Zuvor müssen aber die großen Fragen, die mit den Umwälzungen der Digitalisierung einhergehen, beantwortet werden. Wenn wir die klügsten Köpfe Deutschlands mit diesen Problemen befassen, können wir die dystopischen Visionen der Schwarzmaler Lügen strafen. Der menschengemachte Garten Eden ist zum Greifen nah. Nun müssen wir konkrete Schritte unternehmen ihn auch Wirklichkeit werden zu lassen!