„Silicon-Coast“ durch preiswerten Windstrom?

Birger Bösel, der Geschäftsführer des Schweriner IT-Unternehmens Planet IC GmbH, plädierte auf dem 7. Energieforum Mecklenburg-Vorpommern dafür, die Stromproduktion durch Windkraft in MV als Standortvorteil für die IT-Branche zu nutzen. Manche rechen- und damit energieintensive Prozesse, wie z.B. das Anlernen neuronaler Netze seien nicht an spezielle Zeiten gebunden und könnten daher dann durchgeführt werden, wenn der Wind wehe und Strom im Überschuss vorhanden sei.

Dazu erklärt der stellvertretende Landesvorsitzende der Freien Demokraten, Michael vom Baur:
„Digitalisierung und flexible IT-Verbraucher können die Energiewende voranbringen, lösen aber nicht alle Probleme der schwankenden Stromerzeugung!“


In Mecklenburg-Vorpommern produzierter Strom muss bei stärkerem Wind und an Sonnentagen oft mangels Verbrauchs-  und Speichermöglichkeiten im Lande zu Schleuderpreisen oder sogar zum negativen Preis (d.h. Zuzahlungen) an der Strombörse abgesetzt werden. In 2016 waren das immerhin knapp 30% der gesamten Stromproduktion in MV! Für diese „Stromböen“ muss eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle Nutzungsmöglichkeit gefunden werden, wenn ein weiterer Ausbau der Windkraft in MV überhaupt Sinn machen soll.
Gleichzeitig wird der Betrieb und die Neuansiedlung energieintensiver Betriebe (wie z.B. Rechenzentren) hierzulande immer unattraktiver, da private und gewerbliche Verbraucher in MV mittlerweile die höchsten Strompreise in Deutschland zahlen müssen, ganz wesentlich verursacht durch den Netzanschluss der vielen Wind- und Solaranlagen.

Der Vorschlag von Birger Bösel zielt dabei in die richtige Richtung: auch Unternehmen im Lande, die nicht an der Windkraft-Wertschöpfungskette beteiligt sind, müssen etwas von der hohen regenerativen Stromerzeugung haben. Um Gewerbe und Industrie in MV zeitweilig überschüssigen Strom lokal günstig zur Verfügung zu stellen, müssen aber erst einmal die technischen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Es muss möglich werden, Strom in Echtzeit lokal zu einem aktuellen Strompreis zu verkaufen und zu beziehen, der sich an einem Markt ohne Subventionen bildet. Nur so würden Vorteile und Anreize geschaffen, um Produktion, die flexibel geändert werden kann, in wechselnden Zeiten mit preiswertem Überschuss-Strom zu fahren. Das gilt übrigens auch für Verbraucher der sogenannten „Sektor-Kopplung“ (Power-to Heat = Fernwärme, Power-to Gas= Produktion von Wasserstoff).

Dazu müsste jedoch, wie von uns Freien Demokraten gefordert, das EEG-Subventionssystem beendet und ein echter Strommarkt etabliert werden. Dies ist im von CDU und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag allerdings nicht erkennbar, auch die Landesregierung in MV unternimmt nichts in dieser Richtung.

Die von Birger Bösel vorgetragene Idee eines „Silicon Valley“ in MV (an der Küste eher ein „Silicon Coast“) durch Synergien von Windstrom-Böen und Ansiedlung von Rechenzentren, die sich zunächst aufregend anhört, muss aber bei genauerem Hinsehen doch im Reich der Träume angesiedelt werden, nicht nur wegen des schleppenden Ausbaus von Glasfaser-Infrastruktur in MV.
Während eine durchschnittliche Strom-Böe in MV schon heute innerhalb von 10 Stunden leicht 1.400 Speicher der Größe der Schweriner WEMAG Anlage füllen kann, braucht ein großes Rechenzentrum davon weniger als 2%, und das zu einem großen Teil als Dauerlast. Zudem fielen 2016 ca. 60% des Überschussstroms in nur 12% der Jahresstunden an, das heißt: in der übrigen Zeit wären die Rechenzentren auf „normale“, bei schwächerem Wind oder Flaute sogar auf fossile Stromversorgung angewiesen.

Dennoch ist die Digitalisierung der Stromwirtschaft eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende und eine Chance für unser Land. Um MV dabei an die Spitze zu bringen sind jedoch auch umfassende Investitionen in das Bildungssystem von MV erforderlich. Nur eine an den Erfordernissen der Digitalisierung ausgerichtete Bildungspolitik kann die Jugend unseres Landes auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Wir Freie Demokraten fordern daher: „das Digitalste an unseren Schulen dürfen nicht die Pausen sein!“. Anstatt einmalige Haushaltsüberschüsse für dauerhafte Ausgaben zu binden, sollten wir unsere Schulen baulich und technisch auf den Stand der Zeit bringen. Jetzt ist die Zeit gekommen unser Land fit für die digitalisierte Zukunft zu machen! PM 2018-015 vom 28.02.2018