MEISSNER: Teure Sommerzeit: statt Energieeinsparung höhere Gesundheitskosten, mehr Verkehrsunfälle und schlechtere Leistungen

Gesine Meißner, verkehrs- und gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament, zur heutigen Abstimmung über den Entschließungsantrag zur Abschaffung der Zeitumstellung.

„Ich bin bedauere sehr, dass das Europaparlament diese einmalige Chance vergeudet hat, der Kommission ein klares Signal zu senden. Seit Jahrzehnten kämpfe ich mit einigen Kollegen für ein Ende der Zeitumstellung, und nun haben wir erstmals einen Text mit einer klaren Aufforderung an die Kommission ins Plenum gebracht. Dieser fand leider keine Mehrheit. Die Sommerzeit hat sich nicht bewährt. Die erwarteten Stromeinsparungen sind nicht eingetreten. Was am hellen Abend gespart wird, wird am kalten Morgen und bei mehr Freizeitaktivitäten am Abend verbraucht. Wer Solarenergie nutzt, zahlt sogar dazu, da morgens die Sonne noch zu schwach ist und die Energie dann anderweitig bezogen werden muss. Die Unfälle, die am Abend aufgrund von mehr Tageslicht vermieden werden, häufen sich im morgendlichen Berufsverkehr bei Dämmerlicht, Opfer sind vermehrt müde Kinder und Jugendliche.

 

Man muss Regelungen wieder abschaffen, die nachweislich ihren Zweck nicht erfüllen und sogar negative Effekte auslösen. Denn etliche Menschen leiden körperlich an der Zeitumstellung: nach einer Langzeitstudie der DAK gibt es 25% mehr Herzinfarkte, 12% mehr Depressionen, 15% mehr Krankmeldungen nach der Umstellung auf die Sommerzeit, massive Probleme für chronisch Kranke. Auch Haus- und Nutztiere bringt die Verschiebung um eine Stunde völlig aus dem Tritt, Kühe geben 10% weniger Milch, die Wildunfälle häufen sich. Die Erklärung dafür ist einfach: alle Lebewesen richten ihre innere Uhr nach dem Tag- und Nachtrhythmus der Erde und damit nach dem Sonnenstand aus. Für entsprechende Erkenntnisse aus der Chronobiologie wurde sogar der Nobelpreis für Medizin verliehen.

Auch finanziell ist die Sommerzeit teuer: höhere Gesundheitskosten, Umstellungskosten bei Fahrplänen, schlechtere Leistungen in Schule und Beruf durch Konzentrationsmängel. 73% der Deutschen möchten die Sommerzeit einstellen. Wir bekommen bei jeder Zeitumstellung hunderte von mails dazu. Weltweit haben bislang 140 Staaten die Sommerzeit eingeführt, 50% aber mittlerweile aus oben genannten Gründen wieder abgeschafft. Die Schweiz wartet nur darauf, gemeinsam mit den Nachbarländern zur Normalzeit zurückzukehren und damit dem Wunsch von 80% ihrer Bevölkerung zu entsprechen.

Klar ist aber auch, dass wir eine europaweites Regime beibehalten müssen. Es soll nach der Abschaffung der Zeitumstellung kein Zeit-Chaos ausbrechen, wo jeder Mitgliedstaat für sich selber über Sommer-/Winterzeit entscheidet.“

Der Verkehrsausschuss, in dessen Kompetenz die Zeitumstellung aufgrund der Fahrplananpassungen fällt, hatte eine Resolution eingebracht, die die Kommission dazu aufruft, die Zeitumstellung abzuschaffen und die Richtlinie 2000/84/EC entsprechend abzuändern. Allerdings gab es eine Mehheit für Änderungsanträge einer Gruppe von CDU/EVP-Abgeordneten, die den Textvorschlag abschwächen und die Kommission lediglich  auffordern, die heutige Praxis der Zeitumstellung zu überprüfen.